Interview mit Lüül und mir bei Uli Gellermann (KenFM)

TEXT von Uli Gellermann

Es gibt sie noch, die echten Künstler

Vor dem Krieg gegen das Virus konnte man auch und gerade von Künstlern eigene Meinungen hören. Wenn Künstler heute überhaupt noch Meinungen äußern, sind es nicht selten solche, die man auch von den Merkels hören konnte. Aber es gibt sie noch, die echten Künstler.

Als ob Kunst und Kultur tödlich wären

Zwei dieser Echten, die Musiker LÜÜL und Jens Fischer Rodrian, waren jüngst bei einem Kamera-Gespräch mit Uli Gellermann in einem der legendären Berliner Clubs. Auch der kämpft, wie alle anderen Clubs der Hauptstadt und wie die meisten Künstler des Landes, um sein Überleben. Denn wie die Kneipen, die Cafés und die vielen kleinen Läden sind auch die Clubs und Bühnen geschlossen. Als ob Kunst und Kultur tödlich wären.

Kunst unterscheidet uns vom Tier

Doch Kunst und Kultur sind Überlebensmittel: Sie geben dem Leben jene Farbe außerhalb von Arbeit, Schlafen, Essen, die seit der Höhlenmalerei und den Trommeln der Schamanen dem Menschen die besonderen Schwingungen geben, die ihn vom Tier unterscheiden.

Wann, verehrtes Publikum, wann?

Ich sorge mich um Euch. Wirklich. Seit einem Jahr geht fast nichts — kein Theater, kein Konzert, keine Lesung, kaum ein Live-Event, das Blut in die Adern pumpt, die Seele beruhigt, die Phantasie be ügelt, den Geist anregt oder den Eros belebt, kurzum: das Leben zu dem macht, was es immer sein wollte — ein sinnliches Gesamterlebnis.

Euch muss es schlecht gehen. Ihr seid, wie wir Künstler, eines Grundnahrungsmittels beraubt worden. Ihr müsst, wie wir, Entzugserscheinungen haben. Die heilende Medizin zwischen Alltag und der Pause davon, zwischen Realität und Schwärmerei, die Brücke zwischen Wahn und Sinn, ein Naturheilmittel, das die Kraft hat, uns wiederzubeleben und uns die Möglichkeit gibt, uns immer wieder neu zu entdecken — die Kultur — weg.

Man hat Euch bestohlen, uns allen ständig beteuert, die Kultur käme natürlich zurück, aber jetzt ginge es halt nicht. Aus dem Jetzt wurde fast ein Jahr.

Wenn die Tore doch geöffnet wurden, dann nur für kurze Zeit, wenn es warm war, wenn sich die Viren ausruhten und in den Sommerschlaf elen. Konzerte gab es dann ein paar, aber nur unter sehr obskuren Bedingungen:

Abstand halten! Nicht laut klatschen und bloß nicht mitsingen, viel zu gefährlich! Sich nicht vor Freude in die Arme fallen, nicht frenetisch jubeln, nicht nach dem Konzert Backstage mit dem Künstler abhängen.

Nein, wenn überhaupt, dann so:

In Zweiergruppen sitzen! Beim Eintritt Maske auf, beim Konzert — je nach Laune der Ministerpräsidenten — auch mal ohne. Aber dann, das muss doch jeder verstehen, der ein halbwegs funktionierender Bürger ist, wie Richard David Precht, nicht laut „Zugabe!“ rufen, sondern lieber ein freundlich, mitleidiges Lächeln in Richtung Bühne schicken. Das wird jetzt als gutgemeinter Solidaritätsakt mit den Risikogruppen verstanden, staatlich angeordnet. Ist doch schön, dass man überhaupt wieder auf die Bretter darf — dann also keine Zugabe, bloß nichts übertreiben, sonst steigt das Infektions- und Spaßrisiko. Nach dem Konzert mit angezogener Handbremse schön mit Maske zurück nach Hause. Auf dem

Weg dahin im besten Fall die Luft anhalten und unter keinen Umständen husten, sonst ist das Image eines solidarischen Bürgers in Sekunden weggehustet. Erbärmlich.

Wenn es zu anstrengend wird, die ständig verschärften Hygieneregeln zu befolgen, dann beim nächsten Anzeichen von Kulturentzug vielleicht doch lieber die Dokumentation über die Eagles, Metallica oder Michael Jackson anklicken? Wäre so viel entspannter, kein Stress mit den of ziellen und den selbsternannten Masken-Sheriffs auf dem Weg zur S-Bahn oder im Konzertsaal. Net ix hat für jeden was dabei, von Doku bis Horror — wer braucht da noch eine lebendige Kulturszene?

Nein, das ist keine Persi age oder Dystopie — es ist die Realität für Publikum und Künstler seit Freitag, dem 13. März 2020.

Ich weiß, wir hatten alle immer eine Art Urvertrauen, dass es genug Künstler geben wird, die in Krisenzeiten aufbegehren und für verbale Randale sorgen, sich auflehnen, sich widersetzen. Aber leider hat der Corona- Kult auch die Kunst- und Musik-Szene erfasst.

Das hat Folgen. Online-Konzerte, beim Auftritt auf Kameras glotzen — sexy. Viele Kollegen denken leider eher darüber nach, wie viele Fans sie verlieren könnten, wenn sie sich laut beschweren, als aktiv an der Veränderung ihrer eigenen Situation mitzuwirken. Darum brauchen wir jetzt Euch, verehrtes Publikum, mehr als je zuvor, denn es gibt nicht genug Künstler, die sich trauen.

Nicht jeder Grund für ihr Schweigen ist völlig unverständlich, es stehen Existenzen auf dem Spiel. Dazu kommt, dass sich einige Kollegen eher als Dienstleister verstehen, sich mit ihrer Kunst noch nie politisch geäußert haben und jetzt wahrscheinlich auch nicht damit anfangen werden.

AN DAS PUBLIKUM:

Vielleicht würdet Ihr ihnen helfen, sich aus der Deckung zu wagen, wenn Ihr zeigt, dass Ihr ihnen treu bleibt. Sie haben in ihrer Angst, Euch zu enttäuschen, eines übersehen: Man kann sein Publikum auch verlieren, wenn man schweigt.

Jetzt geht es um Euch, liebes Publikum. Und ganz ehrlich, auch wenn Ihr mir das übel nehmen werdet: Ich bin, gelinde gesagt, enttäuscht — zumindest von einem Teil von Euch. Sind wir nichts anderes als Pausenclowns, die zwar das Leben stimulieren, wenn sie da sind, aber nicht wirklich fehlen, wenn sie weg sind?

Sind wir kaum mehr als ein netter Zeitvertreib, den man jetzt auf unbestimmte Zeit mit Serien ersetzen kann?

Warum fordert Ihr nicht die sofortige Wiederaufnahme aller Theaterstücke, die Wiederbelebung der Konzertszene, das Öffnen aller Auftrittsorte?

Was sind wir für Euch? Luxusgüter, die man für die Illusion von Sicherheit aufgibt?

Ihr nehmt in Kauf, dass die ganze Kulturszene den Bach runtergeht — mit der Begründung, dadurch die Oma retten zu wollen. Habt Ihr sie mal gefragt, ob sie das will?

Vielleicht möchten die Großeltern lieber ins Theater gehen und die neueste Inszenierung von Brechts „Mutter Courage“ sehen, anstatt in Isolation zu versauern und darauf zu

https://www.rubikon.news/artikel/das-schweigen-der-mitschuldigen

15.3.2021 Das Schweigen der Mitschuldigen | Rubikon

warten, dass die Welt coronafrei wird. Die Welt wird nie coronafrei sein — ebenso wenig, wie der Mensch die Schwerkraft abschaffen kann. Manche Dinge entziehen sich unserem Ein uss. Es genügt bei weitem nicht, mehr Geld für uns zu fordern, wie es die „Alarmstufe Rot“ tut. Das wird nicht reichen und ist zu kurz gedacht. Um zu überleben, brauchen wir mehr. Es geht um geistige Nahrung, um Austausch, Kreativität und Ausdruck. Es geht um die kulturelle DNA. Eines sei noch gesagt, damit wir uns nicht missverstehen: Wer generell Angst vor Krankheiten hat und in diesem speziellen Fall die Bedrohung durch einen Virus fürchtet, hat mein volles Verständnis. Jede Angst ist für den, der sie hat, real — völlig egal, ob es sich um eine objektive Bedrohung oder subjektive Furcht handelt. Nur sollte das eigene Narrativ nie zur Bewertungsskala für die Allgemeinheit werden. Ich verstehe auch, dass jeder seine eigene Aufwachgeschwindigkeit hat. Lasst Euch aber nicht zu viel Zeit, denn wir stehen nicht ewig zur Verfügung. Fast ein Drittel meiner Kollegen aus der freien Szene hat ihre Berufung bereits an den Nagel gehängt — und es werden immer mehr, die das Herumkrebsen von einer Soforthilfe zur nächsten satthaben und Euer Schweigen als Zeichen dafür sehen, dass sie anscheinend nicht systemrelevant sind. Zeigt ihnen, dass sie sich irren, sonst war‘s das mit uns!

Wann KollegInnen, wann?

Aus „Hinter den Schlagzeilen“ und „Rubikon


Aufruf eines Musikers an die schweigende Mehrheit der KünstlerInnen von Jens Fischer Rodrian

*Als im März letzten Jahres die ersten Grundrechte fielen, schwiegen KünstlerInnen, MusikerInnen, Intellektuelle und mehr oder weniger Prominente fast ausnahmslos. Man kann vielleicht Verständnis dafür haben. Die Situation war noch neu und verwirrend, viele hatten Angst, Leben zu gefährden. So mancher wollte erst mal abwarten. Dann, falls sich die autoritären Tendenzen im Staat verfestigten, könne man ja immer noch aufbegehren. Jetzt, fast ein Jahr später, erleben wir mehr Grundrechtseinschränkungen, längere und härtere Lockdowns, eine wirtschaftliche und psychosoziale Katastrophe, schlimme „Kollateralschäden“ überall, die Gewöhnung an eine verstümmelte Demokratie, an Duckmäusertum und Denunziantentum. Und die KünstlerInnen schweigen noch immer – obwohl sie selbst mit monatelangem De-facto-Berufsverbot hart getroffen wurden.

„Was muss noch passieren, damit ihr den Mund aufmacht?“, fragt der Gitarrist, Komponist und Poetry-Slam-Künstler Jens Fischer Rodrian. „Etwas Besseres als den künstlerischen Tod findet ihr überall. Nicht weil es eine Diktatur ist, wagst du es nicht – vielmehr weil du es nicht wagst, droht es eine Diktatur zu werden!“*

Wann, KollegInnen, wann?

Wann denkst du, es reicht, jetzt stirbt alles, wofür Menschen seit Jahrhunderten gelebt und gekämpft haben,

das hat doch alles nichts mehr mit Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit zu tun?

Wann empörst du dich darüber, dass die Mächtigen ihren Reichtum in Windeseile vermehren, gerade jetzt, in diesen unruhigen Zeiten, während Millionen Menschen ums Überleben kämpfen oder in Armut sterben?

Wann wird es für dich unerträglich, dass ein außer Kontrolle geratenes Finanzsystem und seine maßlosen Schergen nur noch die eigenen Interessen nähren und ganze Länder in den Abgrund reißen?

Wann beleidigt es deinen kritischen Geist, deinen wachen Verstand, dass die Journalisten der Leitmedien ihrer wichtigsten Aufgabe, der Aufklärung, nicht mehr nachkommen und man kaum etwas erfährt

über den Widerstand der Menschen aus anderen Ländern,
über die Toten, die falsch behandelt wurden und deshalb starben,

über das Gerichtsurteil aus Portugal, das die Quarantäne verbot, aus Ecuador, das die Maßnahmen als völlig unverhältnismäßig einschätzt, aus Weimar, das der deutschen Regierung ein katastrophales Zeugnis ihrer gescheiterten Lockdown-Politik ausstellte,

über die BürgerInnen in Dänemark, die das Infektionsschutzgesetz verhinderten,

über die ArgentinierInnen, die auf der Straße den Lockdown beendeten,

über den Umstand, dass man während einer Pandemie Tausende Intensivbetten abgebaut,

den Gesundheitsetat gekürzt und den Verteidigungsetat erhöht hat,

über die Zweifel an Impfstoffen, die in so kurzer Zeit entwickelt und nicht ausreichend getestet wurden,

über die Anweisungen an Ärzte und Apotheker, mögliche Impfrisiken zu verschweigen,

über die Menschen in Afrika, Indien und anderen Teilen der Welt, die sterben werden, weil sie aufgrund der Maßnahmen keinen Zugang zu Wasser, Medikamenten und Arbeit haben?

Wann verlangst du, dass die ungezählten Toten der maßlosen Maßnahmen eine Stimme bekommen?

Wann sagst du Nein zu all dem Irrsinn, der soviel Leid evoziert, vor allem bei unseren Kindern, die das Lächeln verlernen?

Wann gehst du auf die Straße und löst die besorgten Menschen ab, die seit März 2020 friedlich Fragen stellen, sich immer wieder beschimpfen, diffamieren und mit schwerem Geschütz von der Straße vertreiben lassen müssen?

Wann erhebst du deine Stimme und verlangst einen fairen Diskurs statt Willkür und Ausgrenzung?

Wann, KollegInnen, schreibt ihr Lieder, Gedichte und zeigt der Welt, still oder laut, dass wir nicht ohnmächtig zuschauen, wie das Menschsein abgeschafft wird?

Was wichtig war – und bleibt!

(Zuerst erschienen auf Hinter den Schlagzeilen, 06/2020)

Von Anfang März bis zu den Ereignissen rund um den Mord an George Floyd durch vier Polizisten in den USA Ende Mai, bestimmte Covid 19 konkurrenzlos die Medien und die Politik. All die anderen wichtigen Themen unserer Zeit waren (fast) spurlos verschwunden.

Die Klimakrise, die Zerstörung der Natur und der Verlust des Lebensraums indigener Völker,der nicht enden wollende, strukturell angelegte Rassismus weltweit, die unverzeihliche Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung in den USA, die überfällige Gleichstellung der Frau, die Stellvertreterkriege (Jemen, Irak, Afghanistan, Syrien), die daraus resultierende Tatsache, dass Menschen aus ihrer zerstörten Heimat flüchten müssen um zu überleben, die weltweit völkerrechtswidrigen Waffenlieferungen in Krisengebiete, die inakzeptable Tatsache, dass wir Lebensmittel für ca. 12 Milliarden Menschen produzieren und trotzdem alle 10 Sekunden ein Kind an Unterernährung stirbt, die Notwendigkeit einer von Privatspenden unabhängigen WHO, eine Rückbesinnung auf nicht profitorientierte Gesundheitssysteme, ein gerechtere Verteilung des Reichtums und vieles mehr muß dringend zurück auf die Tagesordnung.

Unzählige Menschen sind weltweit auf Grund des rücksichtslosen Verhaltens westlicher Industrienationen zu Risikogruppen geworden und müssen ständig um Ihr Überleben kämpfen. Wenn man bedenkt, wie lang wir uns monothematisch einem Virus zuwenden und andere Themen fast vollständig ausblenden, wird einem schmerzlich bewußt, dass das Leben der weissen Bevölkerung in Europa und den USA immer noch einen anderen Stellenwert hat als das, aller anderen Menschen. Das Recht auf ein würdiges Leben, egal ob man im reichen Europa oder im globalen Süden geboren ist, muß zurück in den Fokus unserer gemeinsamen Anstrengung rücken. Nur dann haben wir eine Chance, dass eine globale Entspannung eintreten kann.

Es wäre falsch, sich ein „zurück zur Normalität“ zu wünschen. Was uns Mitteleuropäern als normal erschien, war für andere ein nicht enden wollender Alptraum. Von der Gewinnung der Rohstoffe für unsere Smartphones und Computer, die meist zu unwürdigen Bedingungen von Kindern in Mienen abgebaut werden, über die „menschlichen Kollateralschäden“ sämtlicher Stellvertreterkriege hin zu den Ländern, die mit unserem Müll umgehen müssen, hinterlassen wir Spuren aus Blut, Schweiß und Tränen. Wir haben uns zu lang über die Bedürfnisse der Menschen anderer Länder hinweg gesetzt, einfach, weil wir es konnten. Gerecht war, was unseren Lebensstandart sicherte.

Aber es wird immer offensichtlicher, dass eine kapitalistische Grundordnung, die grenzenloses Wachstum und Ausbeutung als Grundsatz seiner Existenz sieht, nur zum Scheitern verurteilt sein kann.

Wenn wir den Wunsch nach einer solidarischen, gerechten Gesellschaft nicht aufgeben wollen, brauchen wir massive strukturelle Veränderungen. Fangen wir vor unserer Haustür an. Ein bedingungsloses Grundeinkommen und ein deutlich höherer Mindestlohn wäre ein erster Schritt, eine gerechte Besteuerung des in Deutschland erwirtschafteten Reichtums und eine Obergrenze für Privatvermögen der nächste. Da die Folgen des Lock Downs nur in gemeinsamer Anstrengung bewältigt werden können, wäre mutiges politisches Handeln dringend notwendig und würde Hoffnung schenken.

Dass diejenigen, die für den Existenzverlust von tausenden von Menschen verantwortlich sind, die Richtigen sein werden, einen Neuanfang zu wagen, darf bezweifelt werden.

Das wird offensichtlich, wenn man sieht, daß z.Bsp die Lufthansa (Börsenwert 4 Milliarden Euro) mit 9 Milliarden Euro vom Staat unterstützt wird, daß eine umweltpolitisch sinnlose Abwrackprämie diskutiert oder ein neues Kohlekraftwerk in Zeiten des Kohleausstiegs eröffnet wird, während man gleichzeitig viele Kleinunternehmer, Selbständige und Künstler am offenen Arm verhungern läßt.

Was wir jetzt brauchen ist eine neue Generation ernsthafter, ehrlicher und unabhängiger Politikerinnen und Politiker. Die Bewegung Fridays for Future macht es uns eindrucksvoll vor. Kluge junge Frauen und Männer setzen sich beherzt und konsequent für eine zukunftsorientierte, sozial gerechte Energiepolitik ein. So viel Engagement sollte man von der Regierung auch erwarten können, Fehlanzeige. Statt dessen wird mit den Energie-und Autokonzernen ein fauler Kompromiss nach dem anderen geschlossen und ein konsequenter Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung auf die lange Bank geschoben.

Das Leben und Überleben der kommenden Generationen aller Länder sollte höchste Priorität haben. Wir alle sind gefragt, gemeinsam, solidarisch und empathisch an der Lösungen der angesprochenen Krisen mitzuwirken, Lösungen, die niemanden zurücklassen, egal in welchem Teil der Welt wir uns befinden. Das fängt im Kleinen an, in dem man sein eigenes Konsumverhalten überdenkt und gegebenenfalls bereit ist, es zu ändern und kann zu aktiven politischen oder gesellschaftlichen Engagement führen. Der Einsatz vieler Bürgerinnen und Bürger für geflohene Menschen hat uns eindrucksvoll bewiesen, dass es geht. Jeder Beitrag ist wichtig und unverzichtbar.

Der großartige Autor und Lyriker Erich Kästner faßte es treffend in einem knappen Zweiteiler zusammen: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.

Wo warst Du?

Die Demokratie lebt von einem lebendigen, im besten Fall zugewandten Diskurs, von der Auseinandersetzung, dem Abwägen, dem Vertrauen, dem sich trauen. Sie lebt von der Lust nach dem Aufspüren der besten Lösung, auf dass sie so viele Menschen mitnimmt wie nur irgendwie möglich. Aber vor allem lebt sie, wenn sie gesund ist, von dem Versuch, der Ehrlichkeit den größtmöglichen Platz einzuräumen und der Integrität, genau das umzusetzen.

All dies ist ausgehebelt, gilt nicht mehr, wird von der neuen Normalität verdrängt.

Normal heißt jetzt – sich fügen, darauf warten, dass ein dubioser Kreis vermeintlicher Experten zulässt, Auslauf zu bekommen, um sich dann, mit ein bisschen frischer Luft in der Lunge, zurück in den Käfig der Selbstisolation sperren zu lassen, bis man wieder Gassi gehen darf. Bitte nichts hinterfragen – kein wer, warum, oder wann. Wenn man es aber doch wagen sollte unbequem zu sein, wird man zensiert, gelöscht und geächtet, aus dem sozialen Netz der „Solidarischen“ entfernt, wie ein lästiger Krümel auf der sonst so lupenreinen Couch der Gleichgesinnten.

All das was uns stärkt wird kaum besprochen oder gar vernachlässigt, es wird verboten, unter Strafe gestellt und das alles zum Wohle der Allgemeinheit, was die unverschämteste aller Lügen ist, denn darum geht es nur selten.

Das, was wir am meisten brauchen, um uns gegen Krankheiten fast jeder Art zu wehren ist unser Immunsystem. Und das erfährt seinen größten Dämpfer durch Angst und Isolation und würde durch soziale Kontakte und Nähe gestärkt werden, aber das ist nicht erwünscht, daraus kann man keinen Profit schlagen, eine medizinische Lösung muss her. Alles Tun ordnet sich dem vermeintlichen Schutz der Gesundheit unter, dem Wohl der Schwachen, der Vorerkrankten, der Alten. Aber genau darum ging es in den letzten Jahrzehnten fast nie. Zu wenig und dazu schlecht bezahltes Pflegepersonal in Altenheimen, ein auf Gewinnmaximierung getrimmtes Gesundheitssystem, Obdachlose und „seitlich Umgeknickte“ frieren sich durch die Winter. Die Verantwortlichen hat das alles nur selten interessiert, wie immer schließen sie die Geldbeutel, wenn diese „lästigen“ Themen angesprochen werden.

Jetzt kann man problemlos Milliarden verschleudern, um die absurden, völlig überzogenen Maßnahmen zu finanzieren. Aber selbst hier gelingt es nicht die Gesellschaft nachhaltig mitzunehmen. Die Kulturbranche bricht zusammen, 500.000 bis 800.000 Insolvenzen stehen dem Mittelstand bevor, Prostituierte müssen unter den schlimmsten Bedingungen übelste Praktiken aushalten, die ungeahndet bleiben, da sich Ihr Überleben in der Illegalität abspielt und Unterstützung auch hier fehlt – die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

All die unappetitlichen Zusammenhänge der Drahtzieher globaler Entscheidungen, egal ob sie im Politzirkus turnen, die Tech-und Pharmakonzerne lenken oder ob sie großen Lobbys angehören, kommen jetzt so eindeutig ans Licht wie selten zuvor. Sie spielen Ihr Spiel mit perfider Akribie und haben dabei jedes Maß aus den Augen verloren. Sie versuchen uns an Ihre größenwahnsinnige Vorstellung zu gewöhnen und den „Great Reset“ einzuleiten, wie schon im Time Magazine beschrieben.

In der Blüte der Nachkriegszeit entstand durch die Vormachtstellung der USA ein nahezu unkontrollierbares imperialistisches, auf Ausbeutung basierendes Wirtschafts-und Finanzsystem. Durch die Entkopplung vom Goldstandard unter Nixen erlebte der Markt eine nachhaltige Zäsur. Immer mehr Geld konnte ohne Gegenwert gedruckt werden. Die Digitalisierung beschleunigte die Volksenteignung zu Gunsten der wenigen Superreichen. Die Schere driftet seit dem immer weiter auseinander, im „Finanz-Casino“ gibt es anscheinend keine Grenzen mehr. Heute besitzen die zehn reichsten Menschen soviel wie die 3,7 Milliarden Ärmsten.

Die Politik hat eingesehen, dass nichts mehr ohne die „Global Player“ geht und muss das, aus Ihrer Sicht, „lästige Demokratieverständnis“ los werden. Die Geschäftsführer der größten Unternehmen sitzen bei allen wichtigen globalen Entscheidungen mit am Tisch, oft auch ohne die gewählten Politiker. Die fünf mächtigen Weltkonzerne, Amazon, Google, Facebook, Microsoft und Apple bewegen fast ausschließlich den Technologiemarkt NASDAQ in die ein oder andere Richtung. Die zwei größten Finanzdienstleister BlackRock und Vanguard verwalten ein Vermögen von über 10 Billionen Dollar und können den Markt ganz allein beeinflussen.

In so einer Welt braucht man keine Partner mehr, die unbequeme Fragen stellen und die Moralkeule schwingen. Wenn zusätzlich noch, wie jetzt im aktuellen Fall der Corona Krise, eine ehemalige Instanz wie die WHO, die im Interesse der Weltbevölkerung handeln sollte, von den Ländern im Stich gelassen wird und mittlerweile zu 80% von Privatspendern finanziert wird, muss man sich nicht wundern, dass den Mächtigen bald niemand mehr etwas entgegen zu setzen hat. Wie sehr die Staatschefs und Ihre Minister unter der Knute der Pharmaindustrie stehen, hat Horst Seehofer schon mehrmals bestätigt, u.a. in der Aufarbeitung der Schweinegrippe 2009, dem Blueprint der Corona Krise.

Der Unternehmer und selbsternannte Philanthrop Bill Gates, der in einem neunminütigen Beitrag in den Tagesthemen für seine Impfkampagne werben durfte, spricht davon, dass die Pandemie erst dann beendet sei, wenn sieben Milliarden Menschen geimpft worden sind. In der selben Woche wird dies von der Bundeskanzlerin Angela Merkel und später auch von dem Regierungs-Virologen Christian Drosten bestätigt. Der Familienrat verkündet einig, die medizinische Lösung sei alternativlos.

Um all das auf rechtlich unangreifbare Füße zu stellen, soll am 18.11.20 ein neues Gesetz verabschiedet werden. Am selben Tag erwartet man die Zustimmung des Bundesrates und die Unterschrift des Bundespräsidenten.

So schnell ging es noch nie, man hat es eilig. Wir werden auf willkürlich erdachte Maßnahmen vorbereitet, deren Dauer ganz im Entscheidungsbereich der Regierung, um genauer zu sein, des Gesundheitsministers liegt. Wir sollen uns auf ein digitales Leben und eine von Streaming Diensten bestimmte Freizeit einstellen.

Die aktuelle Kampagne der Bundesregierung zeigt es ganz deutlich. Ein in die Jahre gekommener Herr spricht  retrospektiv vom Jahr 2020, als er noch Student war – Alles was man von uns verlangt hatte war, nichts zu tun – Das kann doch wohl nicht so schwer sein, oder? Shut up, bestell dir das nächste Lieferando Dinner, schön im sterilen Plastik verpackt, schaue alle Serien, die Du schon immer sehen wolltest und stell das Denken ein – weiter zappen, bis Du weitere Anweisungen bekommst. Ein Appell an das Unterwürfige, das Bequeme in uns. Du darfst jetzt Faultier sein, das nur fressen, fernsehen und ficken soll (wenn durch Zufall noch jemand in deinem Haushalt wohnt) , so suggeriert es uns der mit „Hollywood-Score“ dramatisch in Szene gesetzte Spot der Bundesregierung, peinlich.

Die WHO hat die an Prof. Ioannidis in Auftrag gestellte Studie bestätigt, was viele Experten schon lange sagen: Die Letalität von Covid-19 liegt bei 0,14% (unter 70 Lebensjahren sogar bei 0,05%) und damit im Bereich einer mittel-schweren Grippe, aber das scheint keine Rolle mehr zu spielen. Weder hat es ein Einfluß auf die Regierungsentscheidungen noch auf den kritischen Geist der in Angststarre versetzten Menschen.

Auch wenn es erschreckend lange braucht, bis es alle verstanden haben – dieser Versuch, uns dauerhaft zu manipulieren, ist zum Scheitern verurteilt – und genau darin besteht unserer Chance.

Das was uns Menschen ausmacht, Nähe, Berührung, analoges Dasein und die unzerstörbare Verbindung zu allem Natürlichen, essen, trinken, riechen, lieben, lachen, weinen, küssen, sich streiten, versöhnen und verzeihen ist nur im analogen Raum nachhaltig.

Obwohl ganz sicher ist, das keiner von uns hier lebend raus kommt, geben wir uns der Illusion hin, das wir mit der Einhaltung der Reinheitsgebote, dem Hygienewahn, dem freiwilligen Entsagen von Nähe, den Tod austricksen können. Dabei vergessen wir das Leben, und ja, es gibt ein Leben vor dem Tod.

In wenigen Tagen wird das Ermächtigungsgesetz 2020 im Eilverfahren durch die politischen Instanzen gejagt.

Beantworten wir uns alle eine Frage, die mit Sicherheit auf uns zukommen wird, spätestens wenn unsere Kinder und Enkel in 20 Jahren vor uns stehen und sagen: „Oma, Opa, als damals alle Masken tragen mussten und ein Veterinär, ein Virologe, der 2009 schon krass daneben lag, ein Bankkaufmann und eine Physikerin alle Entscheidungen trafen, als das Grundgesetz ausgehebelt wurde und unsinnige Gesetze verabschiedet worden sind, als von kritischen Journalisten, Juristen, Wissenschaftlern und Psychologen die Videos gelöscht wurden, als die großen Leitmedien zu Staatsmedien mutierten, als Ärzten gedroht wurde Ihre Zulassung zu verlieren, wenn sie nicht auf Regierungskurs segeln, als friedliche, besorgte Demonstranten von der Parteichefin der SPD als Covidioten beschimpft und von der breiten Öffentlichkeit ins rechte Lager gepackt und diffamiert wurden, als Anwälte auf der Strasse verhaftet worden sind, als man Künstlern die Bühne nahm – was hast Du damals gemacht, wo warst Du?“

T I P

Ein kluger junger Mann, Gunnar Kaiser, hat zu diesem Thema viele bemerkenswerte Videos gemacht, hier ist eines davon.

Auflösung

Ganz zu Anfang meiner Konzertlesungen 2017 hatte ich ein Slam Text geschrieben, der immer noch Teil meines Programms ist und an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Auflösung

Menschen kommen und gehen wieder

Und kommen doch wieder, so die Buddhisten kommen in den Himmel, so die Monotheisten reisen weiter, so die Atheisten
oder lösen sich auf, so die Nihilisten

Nichts bleibt so wie es war
und trotzdem macht ein Teil von uns so weiter, als ob die letzten Monate, Jahre, Jahrhunderte nicht gewesen wären

Wir verdrängen um zu überleben
wir übersehen, weil es bequemer ist
wir überleben, weil es immer so war
in dem kurzen Zeitraum in dem der Mensch die Erde belästigt

Vielleicht ist am Ende alles nur eine Illusion
wenn man den Physikern glauben darf gibt es Materie nicht also auch uns nicht
das hieße, dass uns jede Form der Auflösung egal sein dürfte, wenn zum Schluss der endlose Fall bevor steht
den wir gar nicht mit bekommen
weil es uns ja nicht gibt

Und wenn doch, dann nur für so kurze Zeit
dass es vermessen, arrogant und vor allem albern ist
wie sehr wir den eigenen Nabel pudern
und glauben, dass das, was wir erschaffen, erdenken oder tun je von Bedeutung sein könnte

Kein Tier oder Baum wird uns je vermissen Das zu ändern wäre die schönste Aufgabe hier

Statt dessen machen wir uns die Erde zum Feind zerstören das was uns nicht gehört
bereiten unser eigenes Begräbnis vor
und schreiben ein Requiem nach dem anderen

Was nützt uns der Verstand wenn wir nicht wirklich verstehen wenn wir am Ende jeden gegen uns aufgebracht haben auch Gott den wir so fürchten wegen dem wir in die Schlachten ziehen anstatt ihn in jedem Tier, jedem Baum oder in uns selbst zu erkennen

Ob sich das jemals ändern wird?

Ich glaube kaum und bleibe optimistisch

Es gibt ein Leben vor dem Tod (Text)

Egal wie man es betrachtet
welch' Sorge Dich umnachtet
was jetzt passiert ist fern von dem
was ich für möglich hielt

Menschen dürfen nicht mehr selbst entscheiden
ob sie an Krankheit oder Einsamkeit leiden
alles ist der Illusion von Sicherheit verschrieben
Ein altbewährter Helfer kriecht aus seinem Loch
die Angst, sie funktioniert immer noch
Angst macht gefügig, Angst macht taub
Wir hatten das alles schon
doch wir vergessen viel zu viel
Willkommen, sie ist zurück
die kollektiver Amnesie
doch eines vergiss bitte nie

Es gibt ein Leben vor dem Tod

Man weiß nicht alles über den Entzug der Mündigkeit
aber man ahnt schon, dass er die häßlichen Gesichter zeigt
Denunziantentum ist wieder mal en vogue

Wenn wir nicht funktionieren, werden die Pforten schliessen
viele geben auf, Millionen Tränen werden fliessen
zu Flüssen aufbegehren und in die Meere spülen

Oft unbeachtet und seit viel zu langer Zeit
erdulden Menschen anderer Länder schlimmstes Leid
doch wenn ́s um uns geht, steht die Erde still

Wir hatten das alles schon
doch wir vergessen viel zu viel
Willkommen, sie ist zurück
die kollektiver Amnesie
doch eines vergiss bitte nie

Es gibt ein Leben vor dem Tod

All das, was uns stärkt wird kaum besprochen
der kritische Geist hat sich verkrochen
schnell läßt man sich führen, anstatt unbequem zu sein

Demut spüren, selbstbestimmt bleiben
mal bescheiden, mal maßlos übertreiben
nichts ist sicher, wenn man das Licht der Welt erblickt

Die Angst läßt uns erstarren, bloß nicht dran denken
dem Tod keinen Gedanken schenken
aber frei zu leben, heißt das Tau zu kappen

Wir hatten das alles schon
doch wir vergessen viel zu viel
Willkommen, sie ist zurück
die kollektiver Amnesie
doch eines vergiss bitte nie

Es gibt ein Leben vor dem Tod

Du bist dies, Du bist das, Du bist so man bin ich froh
Dass ich Dich dissen kann
das ich bei FB mal so richtig auf Dich pissen kann
Hörst Du nicht was der Experte dort sagt
Doch schon, aber ich habs‘ hinterfragt
Was? Da gibt es noch so einen, wußt‘ ich nicht
Was? Der sagt was anderes, das gehört sich nicht
Was? Der ist auch bekannt, ich kenn ihn nicht
Der hat ja wirklich ein ganz komisches Gesicht
Man ist der alt, hey, ist der schon in Rente?
Nicht das ich hier noch meine Zeit verschwende
Was, der hat schon viel für uns getan?
Kann der uns diesmal seine Meinung nicht ersparen?
Jeder hört nur seinen eigene Gott
Und steckt für Ihn seinen Kopf unters Schafott
Die Empathie versteckt schon Ihr Gesicht
Schämt sich und denkt, sie hören sich nicht

Was uns am Ende bleibt ist Menschlichkeit
doch gerade jetzt bleibt dafür wenig Zeit
Was mag da alles kommen, wenn wir die Ohren spitzen
keine Plattitüden, nichts in die Arme ritzen
Es ist der Moment der uns am Leben hält
den wir nur selten greifen können
denn wenn er freundlich vor uns steht
lächelt er verschmitzt

und geht